Donnerstag, 20. Februar 2014

Hilfe, ich werde 40! Zwischen den Welten oder: Was ist bei mir eigentlich falsch gelaufen???

Hallo liebe Gärtnerinnen und Dachterrassenbesitzerinnen

In der letzen Woche habe ich bestimmt fünf Frauen getroffen, die ein ähnliches Schicksal teilen.



Sie werden in diesem Jahr 40 oder sind es grade geworden.
Die gute Nachricht: Sie leben noch, und zwar gut, und zwar glücklich.
Die Schlechte: Keine von ihnen war bisher festgebunden, hatten Kinder, geschweige denn einen eigenen Garten.

Sie erzählten mir, dass jetzt, wo sie 40 werden, in ihnen der Wunsch nach Stabilität und Ruhe entstünde. Familie, Kinder, Kamin und Garten.
Ich kam mir mal wieder vor wie ein Alien auf der Erde.
Wie der einzige Alien auf dieser Erde, um genau zu sein.
Dummerweise habe ich mich so aber schon immer gefühlt, denn irgendwie habe ich mein Leben andersherum gelebt. Scheint mir.

Mit 20 war ich bereits Mutter, demzufolge hatte ich irgendwann Familie und einen eigenen Garten. Immer wenn ich zu Spielplatz, Kindergarten oder Schule kam, war ich scheinbar die Einzige, die sich nicht hauptberuflich, mit wachsender Begeisterung über Kuchenrezepte und Stuhlgänge der Kinder ereifern konnte.
Es war mir auch nicht so wichtig, ob mein Sohn im Alter von zwei Jahren, alle meine Entchen auf dem Klimper-Keyboard von Fisherprice nachklimpern konnte. Er war gut so, wie er war und ich versuchte neben Kind und Job, noch ein Studium hinzubekommen.
Ich saß in meinem Garten und wälzte Ordner mit Kind auf dem Schoß. Während Menschen in meiner Altersklasse coole Partys auf ihrer Dachterrasse in der City feierten.
Nun, wo ich endlich glaubte, dazuzugehören, mich gedanklich und real der Dachterrasse nähere … da wollen meine Altersgenossen auf einmal einen Garten?

Sie sehnen sich nach Blumenerde unter den Nägeln?

Solche Sätze mag ich seit neustem nicht mehr. 

Ich höre immer nur: unter- Erde-Blumen

Nein Danke!!!

Ich sehne mich auf jeden Fall nicht nach Blumenerde oder Kinderfüßen im Matsch.

Ich sehne mich nach sauberen, frisch manikürten Nägeln und einer gemütlichen Dachterrasse über den Dächern der Stadt und einem gemütlichen Telefonat mit meinem großen Kind, kurz, bevor ich aufbreche, um die Stadt unsicher zu machen.

Was aber ist bei mir eigentlich schief gelaufen?

Habe ich mein Leben verkehrt herum gelebt? Warum fühlt es sich aus meiner Sicht dann richtig herum an?

Wahrscheinlich liegt es doch daran, dass es dieses Standardleben irgendwie gar nicht gibt.

Jeder tut womöglich das, was für ihn richtig ist und am Ende kommt dann entweder ein Garten heraus oder eine Dachterrasse.

Der ewige Kreis:
Eine Dachterrasse muss frei werden, damit eine Neuvierzigerin weiter existieren kann, sich zurücklehnt mit einem Smoothie in der Hand, an die vergangen Zeiten der Matschfüße erinnern kann, die sich selten nur im Garten ausgetobt haben.

Diese Dachterrasse hat viele Geschichten zu erzählen von vollgekotzten Blumenkübeln und der Unwissenheit über die teuflische Wirkung von alkoholischen Mixgetränken und wahrscheinlich Liebesdamen ohne Ende. Von Träumen und Wünschen an die Zukunft. Von coolen Partys und bestandenen Abschlüssen.

Eine andere Neuvierzigerin hingegen braucht den überflüssig gewordenen Garten, der viele Geschichten erzählt, von aus Versehen doch gegessenen Sandküchlein, Kindertränchen nach Schaukelunfällen, krampfhaft runtergekippten Rotweinen im Zuge der wichtigen Partnerschaftszeit, Kürbisschnitzen und Eierfärben. Gipsmasken basteln und Poolpartys.
Bei der Schlüsselübergabe von Vierzigerin an Vierzigerin kann man, wenn man ganz leise ist, auf beiden Seiten vergangenes Lachen hören und übermütiges Kreischen.

Von kleinen Kindern und großen Kindern, die ihre unbändige Lebensfreude nicht in sich behalten können.

Bald ist es auch bei mir soweit: Ich tausche Leben – gegen Leben. 

Bis dahin streife ich aber einfach noch ein bisschen durch die Welten und freue mich auf meine Party.

Bis zur nächsten Woche

Eure
Michaela Röder
(Buchautorin, Beziehungscoach, 39, noch Garteninhaberin und Wanderin zwischen den Welten)



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