Donnerstag, 13. Februar 2014

Hilfe, ich werde 40! Jugendlicher Leichtsinn vs. Mut

Hallo :-)

Mut, das war früher etwas, das man sammeln musste. Was man aus allen Ecken seines Seins zusammennehmen musste. Um die 40 wird das irgendwie anders, finde ich.


Bis man etwa 25 ist, heißt der Mut noch jugendlicher Leichtsinn. Da hat man keinen Mut. Da ist man irre genug, die Dinge undurchdacht anzugehen oder sagen wir lieber: anzuspringen?Sich einfach reinzustürzen.
Die schlimmste Zeit ist die zwischen 25 und 40. 
Dein jugendlicher Leichtsinn hat sich verflüchtigt.

Du folgst nun lieber den ausgetretenen Pfaden, der Menschen, die den Mist schon hinter sich gebracht haben. Dein Mut ist leider die meiste Zeit nicht auffindbar, und wenn du dich dann in einer Mischung aus jugendlichem Leichtsinn, erwachendem Mut und Wahnsinn doch was traust, dann verlassen dich beide irgendwo auf halber Strecke, was meistens zum Scheitern führt.

Ich weiß ja, dass es wichtig ist, um innerlich zu wachsen aber trotzdem:
Ein Glück, das ich das hinter mir habe.

Gott sei Dank gibt es natürlich weiterhin Situationen, da wird mir heiß und kalt zugleich und mein Herr Grießgram (das neue Pink-Thinker Buch) schreit mich laut an:
„DAS KANNST DU DOCH NICHT MACHEN!“
Adrenalin schießt durch meine Venen, in meinen Augen blitzt es und ich denke: „Nein, das kannst du doch nicht machen. Sei gesittet, bescheiden und vorsichtig.“
Ehe ich meinen Mut gefunden habe, habe ich das, was mein Adrenalin hochgejagt hat schon abgehakt unter: besser nicht.

Huch sorry. Das war noch die Version für 30 bis 39 Jährigen aber jetzt, wo ich fast eine Alterssparte weiter bin, liest es sich selbstverständlich so:
Herr Grießgram schreit mich an: „DAS KANNST DU DOCH NICHT MACHEN!“
Adrenalin schießt durch meine Venen, in meinen Augen blitzt es und ich denke:
„Wieso eigentlich nicht? Ich will es - also gebe ich es mir.“

Es ist, als ist der Mut nun einfach so da. Abholbereit oder zumindest mit wenig Aufwand greifbar. Ich habe das Gefühl, je länger ich durch das Leben tanze, desto fester steht mein Mut neben mir. Ich muss ihn nicht mehr finden.
Er ist da wie ein stiller Begleiter, der nur auf eine Gelegenheit wartet, mit mir Herausforderungen und Abenteuer zu meistern. 

Sozusagen jugendlicher Leichtsinn aber MIT Denken.

Es fällt mir leichter, den zu einer Idee ersten, notwendigen Schritt zu wagen. Auch auf unbekannten, neuen Wegen. Was macht es schon, wenn ich merke, dass mich dieser Weg nirgendwo hinführt? Dann drehe ich einfach um. Und hatte meinen Spaß. Um genau zu sein, sind unbekannte, neue Wege so ziemlich die Besten.

Ich vergleiche es immer mit einer Autobahn oder einem schönen Spazierweg durch grüne Landschaften. Der Weg einer Autobahn ist bekannt. Selbst wenn man diesen Weg nie gefahren ist, weiß man vorher, wo er hinführt. Du fährst auf asphaltierten, grauen Straßen mit allen anderen in dieselbe Richtung. Umkehr oder verirren kaum möglich.
Blumen am Wegesrand? Leider nein. Abenteuer? Höchstens wenn du kurz abfährst aufs Autobahnklöchen.
Bild: Hermann Ryter www.ryter-hermann.ch

Um den Spazierweg zu betreten, braucht man schon ein bisschen seinen Mut. Man weiß nicht, wo der Weg hinführen wird. Ob nach der Kuppel ein Abgrund ist oder eine wunderschöne Blumenwiese.
Verlaufen ist sehr wahrscheinlich.
Es geht kreuz und quer und es wird viele Möglichkeiten geben abzubiegen, umzukehren, sich ablenken zu lassen.
Diesen Weg kannst du nicht mit dem Sportwagen befahren, du kannst ihn nur gehen und beim Gehen kann man Stolpern, aber trotzdem bist du langsam genug, um all das Schöne zu sehen, was neben deinem Weg passiert und du kannst Bremsen, wenn sich dir Steine in den Weg legen. (Das mit dem Bremsen hatte der jugendliche Leichtsinn auch nicht so gut drauf.)
Ich bevorzuge seit vielen Jahren diesen Weg, wenn ich eine Wahl habe und die habe ich meistens.

Natürlich war es für mich nicht so einfach in meiner Firma zu sagen: „So Leute ab morgen werde ich Buchautorin und berate Menschen in Sachen Liebe. Obs jemand liest? Ob jemand kommt? Ich weiß es nicht aber zum Glück it mein Mut bis heute dem Lichtsinn sehr ähnlich. “

Natürlich war es nicht einfach VOX die Zusage zu geben für „Shopping Queen“. Ich möchte diese Erfahrung auf keinen Fall missen.

Da fällt mir ein, ich würde es wahrscheinlich sogar wieder machen. Wenn der Mut erst einmal da ist, dann ist man bereit, sogar Fehler zweimal zu machen. Kann ja sein, dass es sich diesmal als wundervolles Geschenk entpuppt. 

Schließlich ist man mit 40 auch stark genug seine Niederlagen wegzustecken. Gleich neben dem Mut, liegt nun mal die Resilienz.

Zusammen mit dem Wissen. Das wiederum weiß, wann es Zeit ist, NEIN zu sagen und zum Glück hat man zum Nein, sagen endlich auch den Mut.
40 werden ist in der Tat wunderbar. Man hat erkannt Leichtsinn ist Mut MIT Denken.

Bis zum nächsten Donnerstag, wenn es wieder heißt:

Hilfe, ich werde 40!

Eure
Michaela Röder
(39,Buchautorin, Beziehungcoach, Mutig mit viel erwachsenem Leichtsinn)

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